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Konzerte Biel und Region

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Biel Konzerte 2017

 

Von Befürchtungen und Bestätigung von Vorurteilen    1. Sinfoniekozert 2017_18

Kammermusikalische Übereinstimmung                          TRIORARO in Werken von Debussy und Ravel

Die vergessenen Lieder                                                      Konzert mit Liedern von Walter Furrer

Strahlender Saisonabschluss                                            10. Sinfoniekonzert TOBS in Biel

Die klanglichen Wunder des späten Schubert                Streichquintett C-Dur mit dem "Trans Atlantic Quintet"

Energie und Überzeugungskraft                                       Solo-Rezital Arata Yumi

Meister und Schüler                                                          8. Sinfoniekonzert TOBS in Biel

Gebändigt und überlegt                                                   Klavierrezital Rémi Geniet

Eindrückliches Zusammenwirken                                    7. Sinfoniekonzert TOBS

Hohe Erwartungen erfüllt                                                Rezital Joseph Moog
Inhalt und Geist der Musik vermitteln                            Rezital Luka Okros

 

 

Von Befürchtungen und Bestätigung von Vorurteilen

Das erste Sinfoniekonzert TOBS der Saison war darauf ausgerichtet, ausgetretene Pfade zu verlassen und mal etwas Keckes zu probieren. So verpflichtete man die tschechische Organistin Katta und baute um sie herum ein Programm, das auf die Orgel ausgerichtet war. Beweisen, dass die Orgel auch im 21. Jahrhundert ein durch und durch vitales Instrument bleibt. Und im Anschluss an das Konzert fand im Restaurant des Kongresshauses eine Late Night Lounge mit Katta statt. Etwas, das wohl dem jüngeren Publikum – das im Konzert durchaus anwesend war – zustatten kommen sollte.

Nun kann ich den Lobreden im Anschluss des Konzerts leider nicht beipflichten und oute mich als Miesepeter, der im Verein mit anderen altmodischen Musikfreunden und -freundinnen solche Veranstaltungen als unnötig empfindet. Speziell das Programm des Abends fand beileibe nicht durchwegs Zustimmung. Grundsätzlich gehöre ich zu denen, die überhaupt nicht finden, dass klassische Musik ein Make-Up nötig hat. Es gibt genug Konzerte und Festivals, welche ohne Konzessionen an einen nicht ausgebildeten Musikgeschmack auskommen. Fraglich ist, ob Leute, welche bei einem „volkstümlichen“ Programm die sogenannte Schwellenangst überwinden, dann auch bei einem anspruchsvollen Programm kommen (und bleiben). Gegen das Ausprobieren neuer Konzertformen ist indes grundsätzlich nichts einzuwenden.

KattaDie eingangs gespielte Fantasie und Fuge in c-moll von Bach in der Orchestrierung von Edward Elgar bestätigte voll und ganz die Befürchtung, es könnte sich um eine der schwülstigen und völlig überladenen Orchesterbearbeitungen handeln. Die melancholische Fantasie erstickte bereits unter den dicken Forteklängen und die Fuge war vollends eine Entfesselung des tiefen Blechs und eine bombastische Bestätigung des Vorurteils, dass Bachs Fugen kompliziert und zugleich fett und schwer seien. „Ist das wirklich von Bach“, fragte ein Zuhörer hinter mir.

Fratres“ von Arvo Pärt ist ein Streicherstück, das vom Pianissimo in ein mässiges Forte ansteigt und wieder im Pianissimo versinkt. Das hatte einst seinen Reiz, beim wiederholten Hören wird es aber langweilig.

Von Kateřina Chroboková alias Katta erklang eine Eigenkomponisiton „Veni sancte spiritus“, die an Popkompositionen der 70er-Jahre erinnerte, aber ich bevorzuge das Original etwa der Gruppe „Emerson Lake und Palmer“ und würde das Werk von Katta als reinen Kitsch bezeichnen. Da kam die elektronische Orgel zur Geltung, aber es stellte sich auch heraus, dass das teure und reichhaltig mit Registern und Effekten bestückte Instrument bei weitem nicht an eine echte Pfeifenorgel herankommt. Das Ansprechen der Luft in den Pfeifen ist mit Elektronik nicht annähernd zu erzeugen. Der letzte Beweis dafür war die Zugabe der „Dorischen Toccata“ von Bach, die allerdings die durchaus vorhandene spieltechnische Virtuosität der Organistin aufzeigte (auch wenn die Pedaltechnik mit nackten Füssen eher seltsam war, um ein letztes Mal zu meckern.)

Ernster zu nehmen war in der zweiten Hälfte die 3. Sinfonie in c-moll, „Orgelsinfonie“, von Camille Saint-Saëns. Da zeigte das Orchester eine bemerkenswerte Leistung auch hinsichtlich Präzision etwa im dritten Satz, aber auch klangliche Qualitäten in den Streichern. Die Bläser steuerten einwandfreie Soli bei, das Blech war insgesamt auch auf der Höhe der Aufgabe und die Orgel wie das vierhändige Klavier steuerten zusätzliche Klangfarben bei. Das Ganze litt unter der Leitung des Dirigenten Stefan Blunier etwas unter einer pauschalen Klanggestaltung und wie schon bei der Bach-Bearbeitung einem Hang zu ungebremsten Forte-Ausbrüchen. Aber das durch die Praktikantinnen des Orchesterkurses verstärkte Orchester wirkte den ganzen Abend solide und bei den sirrenden Klängen von Kattas Komposition oder im Piano der Streicher in „Fratres“ doch auch differenziert. Trotz aller Anstrengungen hinterliess das Konzert bei vielen Kennern einen zwiespätligen Eindruck.

 

 

 

 

Kammermusikalische Übereinstimmung

Da war ein überraschendes Konzert im Saal des Farelhauses. Ein Ensemble, das sich TRIORARO nennt, mit Alexander Ruef, Klavier, Stefan Meier, Violine, Matthias Kuhn, Violoncello. Sie brachten ein erlesenes Programm mit, aus Werken von Claude Debussy und Maurice Ravel. Von Debussy zwei Sonaten aus den letzten Lebensjahren für Violine und für Violoncello mit Klavier, von Ravel die Sonate für Violine und Violoncello und das Klaviertrio. Ein Programm, das die Neugier des Kenners weckte, aber leider in Biel nur ein Häufchen Zuhörer anlockte. Wobei die Werbung ausserhalb der eigentlichen Saison etwas rudimentär war und der Schreibende den Anlass bloss durch Zufall entdeckte.
trioraroHingegen war das Konzert an sich eine erfreuliche Überraschung. Mit der Sonate für Violoncello und Klavier von Debussy setzten Matthias Kuhn und Alexander Ruef bereits ein Zeichen, das aufhorchen liess. Da waren Musiker am Werk, welche sich mit dem Stück auseinandergesetzt hatten und das hörbar vermittelten. Sehr stark kam das auch in der Sonate für Violine und Violoncello von Ravel zum Ausdruck. Das raffinierte Linienspiel kam überzeugend und klar zur Geltung. In der Sonate für Violine und Klavier von Debussy wurde wieder einerseits mit raffiniertem Klang, andererseits mit Verständnis für Form und Stil des Werks gespielt. Und ein reiner Hörgnuss war das abschliessende Klaviertrio von Ravel, welches sehr kammermusikalisch und in hervorragender Übereinstimmung zwischen den Interpreten erklang. Wie in den vorangegangenen Werken und hier noch ganz besonders stach der Pianist Alexander Ruef durch eine kluge dynamische Abstimmung und ein lockeres Spiel hervor, so dass auch in den rauschenden Passagen der Gesamteindruck transparent blieb. Dabei fehlte es durchaus nicht an pointierten und akzentuierten Einsätzen. Das Werk konnte seinen ganzen Reiz entfalten. Das Konzert war eine Bereicherung.

 

 

Die vergessenen Lieder

Konzert mit Liedern von Walter Furrer

Komponisten und Literaten aus der Vergessenheit zu holen ist immer eine schwierige Sache. Wenn es gelingt, ist es eine Ausnahme, die die Regel bestätigt. Es sind meist nicht die grossen Meister, die nach ihrem Tod in Vergessenheit geraten, und waren sie zu Lebzeiten noch so berühmt. Die Grössen der Kunst haben immer etwas Einmaliges und Unverwechselbares, während die vielen Trabanten zwar auch gute Sachen bringen, aber halt im Schatten der wirklich Originalen verblassen. Eine Chance hat den kleineren Meistern die Aufnahmetechnik gegeben: auf Tonträgern findet man heute alles dokumentiert, was gemeinhin nicht oder allzu selten in die Konzertsäle gelangt.

Yvonne FriedliDie Lieder des Schweizer Komponisten Walter Furrer, der jahrzehntelang in Bern gewirkt hat, sind gewiss beim Anhören durchaus wertvolle Musik und auch Zeugen einer Epoche zwischen und nach den beiden Kriegen im zwanzigsten Jahrhundert. Schon die frühen „Totentanzlieder“ auf Gedichte von Christian Morgenstern hinterlassen starke Eindrücke. Hier ist die Klavierbegleitung meist karg und trifft doch sehr eindringlich den Grundton der Texte. Auch in den sieben Liedern für Sopran nach Texten von Theodor Storm und Walter von der Vogelweide und in den späten Liedern „Die Stunde schlug“ gibt das Klavier den meist düsteren Ton an, in den späten Gesängen noch konsequenter auf einem Grundmotiv aufbauend. Die Singstimme dagegen rezitiert ohne auf einzele Worte speziell einzugehen und erhält eher selten eine wirkliche Melodie, die sich aufschwingt.

Barbara HensingerReizvoll sind die drei Gesänge für Alt und Klarinette nach Texten des Expressionisten August Stramm, die ein wirkliches Duettieren ergeben. In der Gesamtwirkung von Stimme und Instrument, auch bei den Klavierliedern, ergibt sich eine stimmige und zuweilen sehr dichte Atrmosphäre.

Furrer Psalm 127Etwas mehr Mühe hat man beim Anhören der auch klanglich sehr düsteren Klänge der Psalmen 102 un 27, wobei die clusterartigen Klänge von Harmonium und Bassklarinette, die die Orgel der Originalfassung ersetzen, sehr bedrückend wirken. Die Oboe liefert einen gewissen Kontrast und wirkt im Duett mit der Altstimme aufhellend.

Im Bieler Saal des Farelhauses waren die Sängerinnen Barbara Hensinger, Alt, und Yvonne Friedli, Sopran, sehr engagierte und ausdrucksstarke Interpretinnen, und auch Andreas Ramseier, Klarinette und Basklarinette, sowie Barbara Jost, Oboe, leisteten Vorzügliches. Am Klavier und Harmonium führte Andres Joho sehr kompetent durch den ganzen Abend. Es war ein Konzert das starke Eindrücke hinterliess, ob daraus eine Langzeitwirkung entsteht, wird die Zukunft erweisen.

 

 

Strahlender Saisonabschluss

10. Sinfoniekonzert TOBS

Die Saison 2016_17 des Sinfonieorchesters Biel Solothurn schloss mit einem in jeder Hinsicht erfreulichen Höhepunkt. Ein klassisch-romantisches Programm, das viele Zuhörer anlockte, auch viele junge Hörer aus welchem Grund auch immer, mit Nathalie Stutzmann eine Frau am Dirigentenpult, die restlos überzeugte, und einen Solisten aus dem Orchester, der eine tadellose Darbietung brachte.

Zu Beginn die „Coriolan“-Ouvertüre op. 62 von Ludwig van Beethoven. Die Einleitung wuchtig, fast etwas (zu) hart, der Allegro-Teil etwas behäbig, er könnte nerviger wirken. Es ist ein tragisches Eröffnungsstück zu einem sonst auf sommerlich leicht gedachten Programm, aber immerhin überzeugten Orchester und Dirigentin trotz der erwähnten Einschränkungen.

Nathalie StutzmannIm Oboenkonzert C-Dur KV 314 von Mozart trat Edmund Worsfold Vidal als Solist auf. Er ist seit einigen Jahren als Oboist im Orchester täti und hat etliche Male seine Qualitäten bewiesen. Das Konzert von Mozzart gelang ihm van Anfang bis Ende ohne Fehl und Tadel, mit schönem geschmeidigem Ton, unfehlbarer Atemtechnik und mit einer musikalisch geprägten Agogik, das heisst mit ein paar Freiheiten im Tempo, die auflockernd wirken und den Konzerten von Mozart gut tun. Das Zuhören machte reine Freude.

Zum Schluss die zweite Sinfonie D-Dur op 73 von Johannes Brahms. Der noch oft als düster und wiederborstig beschriebene Brahms zeigt sich hier von der eher heiteren Seite auch wenn einige düstere Einsprengsel etwa im zweiten Satz nicht fehlen. Was an der Dirigentin sehr positiv auffällt, ist dass sie eine effiziente aber nicht auf Effekt zielende Schlagtechnik hat. Das ist ihr Werkzeug mit dem sie auch aus der Sinfonie die wesentlichen Stimmen herausholt und somit einen plastischen Klang hervorruft. So freute man sich an vielen Einzelheiten ohne dass die grosse Linie verloren ging, es fehlte nicht an Präzision, etwa im Mittelteil des dritten Satzes und doch atmete die Musik frei. Insgesamt eine sehr schöne und eindrucksvolle und strahlende Interpretation dieser Sinfonie. Und das Publikum war begeistert und schenkte allen Ausführenden grossen Beifall.

 

 

Die klanglichen Wunder des späten Schubert

Ein in mancher Hinsicht überraschendes Ensemble spielte in der Pasquart-Kirche Biel das Streichquintett C-Dur D 956 von Franz Schubert. Das Ensemble nennt sich Trans Atlantic Quintet und besteht aus zwei Orchestermusikern aus Biel, dem Violinisten Jean Sidler und dem Bratschisten Rolf-Dieter Gangl, der amerikanischen, aber in Biel bestens verankerten Violinistin Michaela Paetsch, ihrem Bruder Johann Sebastian Paetsch, Cellist im Orchestra della Svizzera Italiana in Lugano, und dem aus den USA hergereisten Jungen Cellisten Johannes Gray, dem ausserordentlich begabten Neffen von Michaela Paetsch.

Trans Atlantic QuintetMichaela Paetsch übernahm die erste Violine und damit auch die Führung und prägte auch künstlerisch die Interpretation mit ihrer zupackenden und doch sehr subtilen Art. Man hätte auf Anhieb nicht auf eine solch austarierte, nüancierte, differenzierte und überwältigend schöne Wiedergabe gewettet. Aber es fehlen beinahe die Worte um die wunderschönen Eindrücke wiederzugeben, welche die Aufführung hinterliess.

Schuberts Quintett, im Todesjahr 1828 entstanden zeigt alle Züge der kompositorischen Meisterschaft, welche Schubert seit 1825, seit der h-moll und der C-Dur-Sinfonie, den Streichquartetten „Rosamunde*, „Der Tod und das Mädchen“ und dem letzten G-Dur-Quartett, den Liederzyklen „Die schöne Müllerin“ und „Die Winterreise“, den beiden Klaviertrios ind B-Dur und Es-Dur und den drei letzten grossen Klaviersonaten erreicht hat. Eine Meisterschaft und einen ganz eigenen Charakter des noch nicht Dreissig-Jährigen, die bereits an ein Wunder grenzt. Und das Streichquintett mit zwei Celli ist in dieser Reihe allein schon wieder ein Wunder, nie erreicht und nie übertroffen in Form und Inhalt.

Da waren nun Michaela Paetsch und ihre Musiker von den ersten Takten an auf der Suche nach all den Feinheiten dieser Partitur, den unbeschreiblichen klanglichen Wundern und der Reinheit dieser Musik, der Ruhe im zweiten Satz in der die Zeit aufgehoben scheint, und den burschikosen und doch wieder nach innen gekehrten Seiten des Scherzos und des Finales.

In den leidenschaftlichsten Einsätzen war nicht alles ganz perfekt – zum Glück, denn durch kleine Trübungen entstanden auch wieder überraschende Färbungen im Klang, absolute Perfektion hätte vielleicht auch Sterilität bedeutet. So war die Aufführung voller Leben, voller Intensität und voller Innerlichkeit die richtig ans Herz ging. Es war ein wundervolles Erlebnis. Das berühmte Menuett aus einem Streichquintett von Luigi Boccherini in der Originalfassung rundete als Zugabe das Konzert ab.

 

 

 

 

 

Der König tanzt

Am Hof von Versailles mit der Freitagsakademie Bern

FreitagsakademieLe Roi danse“, der König tanzt, unter diesem Titel gatierte die Freitagsakademie aus Bern im Saal des Bieler Farelhauses. Fünf Instumentalistinnen und eine Tänzerin gestalteten einen Tag am Hof von Versailles mit Ludwig dem XIV., der neben Regent auch Musiker und Tänzer war. Am Hof wirkten die bedeutendsten Musiker Frankreichs aus der Zeit, und so bekam man im Lauf des Abends auch einen Überblick über die wichtigsten Komponisten des ausgehenden 17. und des beginnenden 18. Jahrhunderts.

Thomas Höft führte in witziger Form durch den Programmablauf und gab auch Anekdoten über das Leben am Hof preis. Verena Fischer, Traversflöte, Katharina Suske, Oboe, Katharina Heutjer, Violine, Georg Kroneis, Viola da Gamba, und Vital Julian Frey, Cembalo, spielten mit Akkutaresse und stilgerecht die Musik von Marin Marais, Jacques-Martin Hotteterre, Jean-Baptiste Lully, Johann Fischer, Francois Couperin, Pierre Gaultier de Marseille, Michel P. de Montéclair, Pierre Gaultier und Michel L’Affilard. Nicht jedes Stück war gleich bedeutend und Einiges war sehr leichtgewichtig aber passte auch zu den Szenen, welche die Barock-Tänzerin Mojca Gal sehr passend und historisch genau in Bewegung setzte. Musik und Tanz pflegten eine Eleganz und délicatesse, die charakteristische für die Epoche und die Kunst in Frankreich ist. Nicht nur die überreichen Verzierungen in der Musik, sondern offenbar auch die Tanzschritte waren in Versailles minuziös geregelt und notiert. Musiker und Tänzerin gaben die Werke mit grosser Raffinesse und Können wider, so konnte sich das Publikum eine Vorstellung machen – zwar nicht von der Pracht der Räume und des Parks oder der Hofgesellschaft, aber von den aufgeführten Musikstücken und Tänzen. Zuschauen und Zuhören waren gleichermassen ein grosser Genuss .



 

Energie und Überzeugungskraft

Solo-Rezital Arata Yumi

Der junge japanische Geiger Arata Yumi hat mit seinem spannungsvollen Programm in der Christkatholischen Kirche Biel bereits neugierig gemacht. Wie vertragen sich Boulez und Bach, der unbekannte Barockkomponist Johann Paul von Westhoff mit Bach und Bartók? Es erwies sich, dass alles bestens abgestimmt war. Wie fast jede Literatur für Solo-Violine lehnt sich auch Pierre Boulez in seinem „Anthem I“ an die Doppelgriff-Techniken bei Bach an, der diese wiederum von seinem geigerischen Vorgänger Johann Paul von Westhoff „gelernt“ hat, und Belá Bartók bezieht sich vor allem im ersten, mit „Ciacona“ überschriebenen Satz fast überdeutlich auf die d-moll-Chaconne aus der Partita BWV 1004. Selten hat man das auch so deutlich erfahren wie in der Interpretation von Arata Yumi, welcher das Programm ja nicht willkürlich zusammengestellt hat. Die Suite in d-moll von Esthoff war eine wahrhafte Entdeckung, ich kanne vorher nicht mal den Namen des Komponisten. Und dass er Bach für seine Partiten und Sonaten beeinflusst hat, schien auch fast offensichtlich. Wie immer ist Bach einfach noch reicher, arbeitet ausführlicher mit dem Material und wirkt zeitloser als seine Vorbilder.

Arata YumiArata Yumi bot eine „Ciacona“, welche ausserordentlich gefangen nahm. Er warf sich zu Beginn ohne Zurückhaltung in die Akkorde und bot im Verlauf eine volltönende, schön klingende und energiegeladene Lesart. Obwohl nicht strikt der „historisch informierten Praxis“ folgend, bot er dennoch eine Version, welche auch die immanente Mehrstimmigkeit und die „sprechende“ Spielart zur Geltung brachte, auch wenn er nichts pedantisch hervorhob, sondern der Musik ihren Fluss liess. Das war schon eindrücklich.

Nicht minder beeindruckend war die Wiedergabe der Sonate von Béla Bartók, die ich selten oder nie strukturell so klar gehört habe. Dabei gab Arata Yumi auch hier alles an Klang und Differenziertheit und bot seine ganze geballte Überzeugungskraft auf. Wie schon gesagt war die „Ciacona“ als solche klar verfolgbar, die „Fuga“ geriet in ihrer komplexen Polyphonie ebenso klar, aber auch fulgurant. Die „Melodie“ hatte die zarte Versponnenheit und das ab schliessende „Presto“ die technische Versiertheit in den vetracktesten Passagen. Der noch junge Violinist hat einen violintechnischen Höchststand erreicht, der ihn gleichzeitig befähigt, die ganze musikalische Reife und eine riesige Energie ohne Scheu vor Risiken ins Spiel zu werfen und das war ein grossartiges Erlebnis. Den begeisterten Applaus eines sehr interessierten Publikum beantwortete er mit zwei Sätzen aus der vierten Solo-Sonate von Eugène Ysaÿe.

 

 

 

 

Meister und Schüler

8. Sinfoniekonzert TOBS in Biel

Das achte Sinfoniekonzert TOBS war etwas unkonventionell, fand aber beim Publikum am Schluss doch viel Anklang. Drei Komponisten, welche nicht dem klassischen Kanon angehören und von Mozart ein Werk, das auch eher selten im Konzertsaal erscheint. Das Konzert für drei Klavier, welches nach der Pause erklang, ist ein Gelegenheitswerk aus Mozarts Salzburgerzeit, ein Auftragswerk der Gräfin Lodron, für welche der Komponist 1776 auch noch zwei „Nachtmusiken“ (Divertimenti KV 247 und 287) schrieb. Ein Werk des jungen Mozart, welcher zwar noch ganz dem Rokoko und dem italienischen Einfluss gehört, aber doch köstliche Einfälle hat und Meisterschaft verrät. Die frühen Klavierkonzerte werden im Vergleich zu den später in Wien entstandenen oft unterschätzt, man sollte aber nicht vergessen, dass Mozart in dieser Zeit auch die als meisterlich geltenden Violinkonzerte G-Dur, D-Dur und A-Dur verfasst hat. Das Konzert KV 242 für drei Flügel erwies sich mit den Solisten Louis Lortie, Nathanaël Gouin und Nareh Arghamanyan als äusserst erfrischend und von grosser Schönheit, wobei das Orchester einen wesentlichen Anteil hat. Der Klang war duftig und klar, sowohl in den Streichern wie auch bei den drei Pianisten, trotz recht unerschiedlichen Temperamenten der Solisten doch ausgeglichen und sowohl gut artikuliert wie gediegen. Grosser Applaus für alle Beteiligten.

Vor der Pause erklang zunächst eine Ouvertüre des Mozart-Schülers Johann Nepomuk Hummel, der aber bereits den Übergang in die Frühromantik signalisiert. Vor allem die Einleitung hatte sehr aparte Klänge in Streichern und Horn.

Das Concertino für Klavier vierhändig von Leon Klepper erwies sich als hörenswerte Rarität. Obschon in den frühen 60-er Jahren uraufgeführt, atmet es den frechen Geist der Zwanziger- und Dreissigerjahre mit Anklängen an Jazz und zeitgemässer Unterhaltungsmusik und Kontrasten zwischen handgreiflichen Forteeinsätzen und beinahe süsslichen melodischen Partien. Die zwei jungen Solisten Nareh Arghamanyan und Nathanaël Gouin schienen in ihrem Element mit viel Draufgängertum und Klangsinn und in bester Übereinstimmung

Das achte Sinfoniekonzert TOBS war etwas unkonventionell, fand aber beim Publikum am Schluss doch viel Anklang. Drei Komponisten, welche nicht dem klassischen Kanon angehören und von Mozart ein Werk, das auch eher selten im Konzertsaal erscheint. Das Konzert für drei Klavier, welches nach der Pause erklang, ist ein Gelegenheitswerk aus Mozarts Salzburgerzeit, ein Auftragswerk der Gräfin Lodron, für welche der Komponist 1776 auch noch zwei „Nachtmusiken“ (Divertimenti KV 247 und 287) schrieb. Ein Werk des jungen Mozart, welcher zwar noch ganz dem Rokoko und dem italienischen Einfluss gehört, aber doch köstliche Einfälle hat und Meisterschaft verrät. Die frühen Klavierkonzerte werden im Vergleich zu den später in Wien entstandenen oft unterschätzt, man sollte aber nicht vergessen, dass Mozart in dieser Zeit auch die als meisterlich geltenden Violinkonzerte G-Dur, D-Dur und A-Dur verfasst hat. Das Konzert KV 242 für drei Flügel erwies sich mit den Solisten Louis Lortie, Nathanaël Gouin und Nareh Arghamanyan als äusserst erfrischend und von grosser Schönheit, wobei das Orchester einen wesentlichen Anteil hat. Der Klang war duftig und klar, sowohl in den Streichern wie auch bei den drei Pianisten, trotz recht unerschiedlichen Temperamenten der Solisten doch ausgeglichen und sowohl gut artikuliert wie gediegen. Grosser Applaus für alle Beteiligten.

Vor der Pause erklang zunächst eine Ouvertüre des Mozart-Schülers Johann Nepomuk Hummel, der aber bereits den Übergang in die Frühromantik signalisiert. Vor allem die Einleitung hatte sehr aparte Klänge in Streichern und Horn.

Das Concertino für Klavier vierhändig von Leon Klepper erwies sich als hörenswerte Rarität. Obschon in den frühen 60-er Jahren uraufgeführt, atmet es den frechen Geist der Zwanziger- und Dreissigerjahre mit Anklängen an Jazz und zeitgemässer Unterhaltungsmusik und Kontrasten zwischen handgreiflichen Forteeinsätzen und beinahe süsslichen melodischen Partien. Die zwei jungen Solisten Nareh Arghamanyan und Nathanaël Gouin schienen in ihrem Element mit viel Draufgängertum und Klangsinn.

3 KlaviereVor der Pause dirigierte Kaspar Zehnder die Kammersinfonie für 23 Instrumente von Franz Schreker, der während eines guten Jahres der Lehrer von Leon Klepper war. Das Motto „Schüler und Lehrer“ schwebte über dem ganzen Konzert. Die Kammersinfonie ist ein äusserst farbiges Stück, typisch für Schreker, der im Gefolgen von Richard Strauss und Max Reger in sehr betont chromatischer Manier komponierte, hart an der Grenze zur Atonalität aber die bewusst nie überschreitend. Das Orchester und Kaspar Zehnder glänzten auch hier durch eine fein abgestimmte, klanglich sehr differenziert ausbalancierte Wiedergabe. Auch dieses Werk erscheint bei uns selten in den Programmen, ist aber eine durchaus willkommene Bereicherung abseits des „Mainstreams“.

 

Gebändigt und überlegt

Klavierrezital Rémi Geniet

Rémi Geniet, junger Pianist aus Paris, spielte im Saal des Farelhauses in Biel ein Programm mit Beethoven, Prokofiev und Ravel. Die erste Hälfte war zwei Beethoven-Sonaten gewidmet, die zweite aus dem Opus 2 in A-Dur, gefolgt von der "Mondeschein"-Sonate op. 27 Nr. 2. Rémi Geniet versuchte einen authentischen Beethoven, mit starken Akzenten und grossen dynamischen Gegensätzen. Manchmal auch, im Finale der "Mondschein" mit Tempi an der oberen Grenze. Dabei gelang ihm nicht Remi Genietalles gleich gut, aber das ist nicht entscheidend. Die positiven Seiten sind ein doch gebändigtes Temperament und eine überlegte Interpretation. So folgte er im ersten Satz des cis-moll-Sonate den Pedal-Vorschriften Beethovens (senza sordino = ohne Dämpfer) und das führt auf dem modernen Flügel zu verzerrten Klängen, die befremdlich wirkten. Über dieses Thema der Pedalvorschriften von Beethoven sind Bücher geschrieben worden. Man müsste auch berücksichtigen, welche Flügel Beethoven zur Verfügun gestanden haben, Hammerklaviere welche noch, ähnlich wie beim Cembalo, Registerzüge hatten, mit denen der Klang beeinflusst werden konnte.
Weniger zu Diskussionen Anlass gaben die Interpretationen der zweiten Hälfte. Die 8. Klaviersonate von Sergei Prokofiev verlangt viel Technik und auch klangliche Gestaltung und Übersicht über ein polyphones Geflecht. Noch mehr Gestaltung des Klanges bei einer rauschenden Technik verlangt "La Valse" von Maurice Ravel. Hier überzeugte Rémi Geniet endgültig mit zupackender Virtuosität wie mit subtilen Übergängen, einer äusserst differenzierten dynamischen Gestaltung und sehr einfühlsamen Rubati. Zwei Zugaben, "Liebesfreud" von Fritz Kreisler in der Bearbeitung von Serge Rachmaninoff und eine Mazurka von Frédérc Chopin, schlossen sich stimmig an die vorangegangenen Werke an.

 

Eindrückliches Zusammenwirken

7. Sinfoniekonzert 2016_17

7.Sinfoniekonzert 2017Das 7. Sinfoniekonzert des Sinfonieorchesters Biel Solothurn war ein Beweis für die Qualitäten, welche das Orchester unter der Leitung von Kaspar Zehnder inzwischen erreicht hat. Schon die eröffnenden „Réflexions“ von Elliott Carter, ein Werk eines 96-jährigen, zeigte den entspannten Umgang mit neuster Musik. Dabei glänzten die Bläser, vorab die Kontrabassklarinette von Patrik Urfer, aber auch das reich und differenziert eingesetzte Schlagzeug. Die nachfolgende 3. Sinfonie in D-Dur von Franz Schubert erfreute in ihrer Frische, Transparenz und Präzision. Wiederum spielten die Holzbläser eine Hauptrolle, vor allem Flöte und Klarinette hatten immer wieder Gelegenheit, sich in schönstem Licht und Klang zu zeigen. In Form und Ausdehnung ist das Werk des 18-jährigen Komponisten ganz klassisch, aber in der Thematik und im Klang ist es ein unverwechselbarer Schubert.

Das Violinkonzert in D-Dur op. 77 von Johannes Brahms ist ein Prüfstein für die Violinisten, aber nicht weniger auch für das Orchester und den Dirigenten. Es gilt zwischen Solopart und sinfonisch gestaltetem Orchesterpart einen Ausgleich zu finden. Das glückte den Interpreten des Abends, dem Geiger Feng Ning und Kaspar Zehnder mit seinem/unserem Orchester in reichem Masse. Der Violinist glänzte einerseits mit vollem Ton und unfehlbarer Intonation wie perfekter Technik in den Doppelgriffen, andererseits gelang ihm der Dialog mit dem Orchester, allen voran den Holzbäsern, speziell der Oboe, auf hervorragende Weise. Auch das Orchester ging beweglich auf den Solisten ein und so entstand über das ganze Werk ein sehr eindrückliches und fesselndes Zusammenspiel. Die Absichten des Komponisten wurden hier in sozusagen idealer Weise verwirklicht. Es war für die Zuhörer ein glückhaftes Konzert mit einer verdienten Standing Ovation zu Schluss.

 

 

 

Hohe Erwartungen erfüllt

Rezital Joseph Moog in Biel

Es war ein grosser Abend mit Joseph Moog am Flügel. Er spielte in der Reihe RÉVÉLATIONS – JEUNES INTERPRÈTES im Saal des Farel in Biel. Sein Programm begann mit der Fantasie C-Dur von Joseph Haydn, ein „Capriccio“ nach den Worten des Komponisten aus dem Jahr 1783. Bereits hier strahlte der Pianist absolute Sicherheit aus, denn das heitere Stück klingt einfach, ist aber recht knifflig. In der Sonate Nr. 3 op. 58 von Frédéric... Chopin kam die technische Perfektion richtig zum Tragen. Das Joseph Moog in BielWerk ist in den Ecksätzen und auch in den Aussenteilen des Scherzo recht virtuos angelegt, aber da sass jeder Ton, ob in Arpeggien, Läufen oder Koloraturen, Akkord-Kaskaden oder Oktavpassagen, überall war die Technik unfehlbar. Und liess Reserven für kleine Verzögerungen und nüancenreiche Differenzierung in der Dynamik. In den eher gesanglichen Teilen entwickelte Joseph Moog eine sehr gezielte Anschlagtechnik, ein gespürtes kantables Spiel. In den Ecksätzen ergab sich durch die hohe Perfektion vielleicht ein etwas unterkühltes Klima, wogegen der langsame Satz sehr tiefgründig wirkte. Jedenfalls war es eine Chopin-Interpretation, die trotz Brillanz jede Effekthascherei vermied und nie bloss auf äussere Wirkung zielte.
Die zwölf Klavierstücke „Träume am Kamin“ op. 143 von Max Reger sind sehr unterschiedlich, mal tatsächlich träumerisch, klangversunken, gelegentlich auch mit Humor oder verschmitzt virtuos angelegt. Die Anklänge an Brahms, Schumann oder Chopin sind eher als Huldigungen zu verstehen. Joseph Moog vermochte die kurzzeitigen Stimmungswechsel, die Schlichtheit (bei aller harmonischen Kühnheit), den Klangzauber mancher Stücke hervorragend wiederzugeben. Das selten gespielte Werk kam unter seinen Händen zu intimer und doch grossartiger Wirkung. Zum vorläufigen Abschluss gab es ein brillantes Feuerwerk in der Ungarischen Rhapsodie Nr. 12 von Franz Liszt. Auch hier bewunderte man die vollkommene Beherrschung des pianistischen Handwerks und die dadurch mögliche ausserordentliche Freiheit der Gestaltung in völliger Überlegenheit. Eine fast ebenso virtuose Umspielung des Songs „S'wonderfull“ von George Gershwin rundete den eindrücklichen Abend wirkungsvoll ab. Das Publikum reagierte mit begeistertem Schlussapplaus.

 

 

Inhalt und Geist der Musik vermitteln

Rezital Luka Okros

Luka Okros in Biel

 

 

Eigentlich wäre noch ein Rückblick fällig auf das Konzert mit Luka Okros, dem Pianisten der das Publikum restlos begeistert hat.
Sein Schubert - vie Impromtus op. 90 - war gradlinig, schnörkellos, fast ein bisschen nüchtern, aber doch dynamisch reich abgestuft. und Luka hat eine reiche Anschlagspalette, so dass er – für Schubert so wichtig – innert kürzester Zeit einen neuen Klang und einen Klimawechsel erzeugen kann.

In den kantablen Teilen der beiden Chopin-Stücke - Etüde op. 25 Nr. 10 und Nocturne op. 15, Nr 1 -  zeigte er, dass er den Flügel zum Singen bringen kann  und in den leidenschaftlichen Passagen, auch in der halsbrecherischen “Oktaven”-Etude, zeigte er sowohl technische Souveränität, aber man spürte auch, dass es ihm nicht bloss um die Demonstration von Virtuosität geht, sondern darum, den Inhalt und den Geist einer Komposition zu erfassen und zu vermitteln.

Besonders spürbar war das bei den unübertrefflich vorgetragenen “Moments musicaux” op. 16 von Serge Rachmaninoff und auch bei der 2. Ungarischen Rhapsodie von Franz Liszt. Da kam auch ein Spielwitz zu tragen, wie er einerseits den rhapsodischen Teil gestaltete und im schnellen Teil (Lassú) immer noch Zeit fand bei aller Aberwitzigkeit kleine Verzögerungen und Freiheiten anzubringen. Der Flügel hielt stand, einerseits wegen der sorgfältigen Vorbereitung und auch, weil Luka Okros aus den Saiten Klangmassen entfesseln kann ohne je brutal zu werden.

Luka Okros hat begeistert und man hat in ihm einen grossartigen Pianisten erlebt, dem man eine ebenso grossarige Zukunft wünscht.